Dellers, Helen (1926-2010†)

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Helen (1926-2010†) Dellers


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Biografische Angaben
19262010   
19471952 Germanistikstudium  
19541957 Cambridge, England  
seit 1965 jährlich mehrmals Aufenthalte in Paris  
19701985 Schuldienst (Sekundar + Progymnasium)  
1984   Aufenthalt in Moskau, 3 Wochen  
1986   6 Monate Paris, Cité de la Chapelle, 18ième, 1987  
1987   6 Monate in Paris  
1994   Aufenthalt in Tescani / Bacau, Rumänien (Malercamp), 3 Wochen  

Ankäufe
   Kunstkredit Basel-Stadt  
   Kunstkredit Baselland  
   Coop Schweiz  
   Museum für zeitgenössische Kunst, Bacău, Rumänien  
   Atelierbesuch und Ankauf Kunstkommission Basel-Stadt  

Wichtige Werke
2001   «Dies Leben Fleucht davon ...», 15 Collagen, Kreide, Bleistift, Acryl  
19992001 «Odysseus», 4 Bilder, alle 120 x 100cm, Eitempera  
   Filme:  
1995   «La rue de Ménilmontant», Super-8-Dokumentarfilm, Paris  
1994   Dokumentarfilm über das Dorf TESCANI in Rumänien, Super-8  
1987   «Le 18ième», Super-8-Dokumentarfilm, Paris  
1984   «Tram», Super-8, Basel  

Ausstellungen (Auswahl)
2008   Galerie Eulenspiegel, Basel  
2006   Galerie Eulenspiegel, Basel  
2005   Galerie Eulenspiegel, Basel  
2003   Rahmen Galerie Eulenspiegel «Paris pas chic», Basel  
2002   Kulturforum, Laufen  
2002   Galerie Daniel Tanner «Kleine Formate», Basel, Gruppe  
2001   Galerie Hiemesch, Basel  
2000   GSMBA «Mannsbilder», Basel, Gruppe  
2000   Kreiskrankenhaus Emmendingen, «Malerei und Grafik»  
1999   Atelier «Katarina F.», Basel  
1999   Künstlerhaus Mörsbergerstrasse 54, Basel, zu dritt  
1999   Warteck, «Druck 99», Basel, Gruppe  
1998   GSBK «Parallelen und Kontraste», Binningen-Spiegelfeld, BL  
1998   GSBK «Skulpturen und Objekte» im Mettlenpark, Muri / Bern  
1998   GSMBA «art + cité 1998», Porrentruy  
1997   Ausstellungsraum Klingental, Basel, Projekt «Zeit», zu viert  
1997   Brauereichäller, Laufen, Baselland, zu viert  
1996   GSBK «Carte Blanche», Spengler, Reinach, Baselland  
1996   GSBK, «Täuschungen», Zürich  
1994   und 1995 Mini Print International, Barcelona  
1994   Museum für zeitgenössische Kunst, Bacău, Rumänien  
1993   Grafik-Triennle, Riga, Lettland  
1993   ACS, Basel  
1993   Galerie Rotstab, Liestal, Baselland, zu dritt  
1992   Kulturzentrum Witterswil, Baselland, zu viert  
1992   Labyrinth, Basel  
1992   Le Triennale de l’Estampe Originale, Le Locle  
1991   Badbrunn, Breisach, D  
1991   Ausstellungsraum Klingental, Basel, Gruppe  
1990   Kunstverein Binningen, Baselland, Gruppe  
1990   Labyrinth, Basel  

Freier Text
   Zu den Arbeiten von Helen Dellers. Wer die Künstlerin Helen Dellers besucht, der betritt ein wahres Panoptikum gesammelter und gefundener Dinge. Reklameschilder von wohl längst nicht mehr produzierten Produkten hängen neben Werken befreundeter Künstler, altertümliche Gebrauchsgegenstände und Spielzeuge finden sich neben Fundobjekten wie bizarr geformten Hölzern und Steinen. über die Jahre haben alle diese Dinge eine Patina angesetzt oder haben sich sie schon mitgebracht, als sie ins Haus kamen. Nicht zuletzt deshalb scheinen alle Dinge einem ihre Geschichte geradezu aufdrängen zu wollen, während man den Blick schweifen lässt. Sie haben Zeit auf sich angespeichert, sind gerade im Fall des Rostes, der das Ergebnis von Oxidierung ist eine Verbindung mit ihrer Umgebung eingegangen und dabei verändert worden. Sicher sind es diese Vorgänge und Vorstellungen, die Helen Dellers immer wieder dazubewogen haben, in ihre Gemälde altes, verbogenes, rostiges Metall einzubeziehen. Seit der Assemblage-Kunst des frühen 20. Jahrhunderts -als prominenteste Beispiele wären hier die Arbeiten von Kurt Schwitters zu nennen - ist dies ein gebräuchliches, künstlerisches Verfahren, das in doppelter Weise dazu diente, Kunst und Leben zusammenzubringen. Erstens stellten (und stellen) die ins Kunstwerk einbezogenen Alltagsgegenstände eine Verbindung zur Lebenswelt des Betrachters her, anstatt wie die mit konventionellen Kunst-Stoffen wie ölfarben oder Marmor produzierten schon von vornherein den Abstand zum profanen Alltag deutlich zu markieren. Zweitens ist diese Verbindung zwischen Kunst und Leben über die eingefügten Dinge nicht nur motivisch hergestellt. Vielmehr funktioniert sie ganz realiter dadurch, dass die ins Bild einbezogenen Dinge nicht nur aus dem Raum des Betrachters kommen, sondern auch aus dem Bild heraus in ihn hinein ragen. Das Bild täuscht keine illusionistische Räumlichkeit vor, sondern hat unmittelbar Anteil am Raum des Betrachters, ist ein veritables Gegenüber. Dass das Gesagte auch bei den Werken von Helen Dellers der Fall ist, lässt sich an zahlreichen ihrer Arbeiten zeigen - so entstammt das Scharnier an der oberen Kante von Hunt’s Hardware von 1994 ganz offensichtlich ebenso dem Alltagskontext wie das ihm am unteren Bildrand korrespondierende, aufgenagelte Blech - darüber hinaus macht es das Raumgreifende dieser Arbeit insofern deutlich, als ein Scharnier geradezu dazu da ist, etwas Flächiges in einem genau bemessenen Radius im Raum zu bewegen. Noch weiter ist dieses Hinaustreiben des Bildes in den realen Raum in der unbetitelten, zweiteiligen Assemblage von 1996. Mit Nägeln, Schienen und Haken sind Metallteile unterschiedlichster Herkunft, Form und Farbe auf schwarze Bretter montiert - allein schon die Zweiteiligkeit entfernt die Arbeit vom konventionellen Tafelbild, lässt sie zu Elementen im Raum werden und nähert sich damit dem Objekt an. Schliesslich führt Dellers fussend auf früheren Werken - so der unbetitelten, hochformatigen Assemblage mit Blecheimer von 1990 - in dem jüngst entstandenen Atelierbild von 2006 mit Pinsel und zerdrückter Blechdose gewissermassen emblematisch die Grundstoffe ihrer Kunst vor. Darüber hinaus setzt sie beide insofern in ein spannungsvolles Verhältnis, als die zerdrückte Blechdose zwar flach, aber real ist, der Pinsel hingegen plastisch erscheint, aber «nur» gemalt ist. Doch ist es Helen Dellers beim Einbezug rostiger Gegenstände in ihre Gemälde nicht allein um diese Erweiterung zur Assemblage zu tun - vielmehr reizt sie an den rostigen Objekten, die Aufnahme in ihre Werke finden, deren ungeheures Farbspektrum, das sich allein schon an der bereits erwähnten, zweiteiligen, unbetitelten Arbeit von 1996 studieren lässt. Vom matten Grau über helles Braun bis hin zu fast glühendem Rot und leuchtenden Goldtönen - all das lässt sich in den teilweise nur wenige Zentimeter grossen Stücken ausmachen. Die Metallobjekte mutieren vor den oftmals einfarbigen Gründen zu Gestirnen oder lassen Assoziationen auf archaische, warmtonige Stoffe wie Erde, Honig oder Blut zu - wohl nicht zufällig begegnet man in Dellers Lebensraum immer wieder Hinweisen auf den spanischen Maler Antoni Tàpies. Dass Dellers diese Töne als eine Erweiterung ihrer eigenen Palette versteht, lässt sich beispielsweise an einem 2005 entstandenen, unbetitelten Gemälde beobachten. Dem hochrechteckigen, fast monochrom schwarzen Bildfeld ist eine ebenfalls hochrechteckige Form eingeschrieben, die von einer weissen Linie mit dem runden Abschluss oben zusammengefasst wird. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man, dass dieser runde Abschluss nicht gemalt ist, sondern, wie dies schon bei anderen Arbeiten beschrieben wurde, aus einem halbkreisförmigen Metallfragment besteht, das aber von der gemalten Fläche aufgrund der verwandten Farbigkeit nahezu nicht zu unterscheiden ist. Einmal mehr gehen hier Kunst und Leben eine innige Verbindung ein, ja, mehr noch Kunst ahmt hier nicht Realität nach, sondern Realität Kunst.  


 


  o.T., 2006
Acryl und Pigment auf Leinwand, Blech, 120 x 100 cm
Copyright bei der Künstlerin

o.T., 2006
Acryl und Pigment auf Leinwand, Blech, 120 x 100 cm
Copyright bei der Künstlerin

Carte Orange, 2003
Acryl auf Holz, Blech, 40 x 43 cm
Copyright bei der Künstlerin

 


  o.T., 1999
Tempera
Copyright bei der Künstlerin

o.T., 2002
Tempera
Copyright bei der Künstlerin

o.T., 2001
Acryl
Copyright bei der Künstlerin

 

o.T., 1999
Mischtechnik
Copyright bei der Künstlerin

o.T., 1999
Tempera
Copyright bei der Künstlerin






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